Damen unter sich

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen,
Was geschieht,
wenn eine alternde Hyäne
Eine jugendliche Schöne sieht?

Ein Schlangenbiß ist ein Kinderkuß
Gegen diesen Blick!
Meine Damen, das stimmt Sie verdrießlich?
Anwesende ausgenommen. Ich meine ausschließlich
Jene neidischen alten Scharteken.

Doch kommen wir zurück
Auf besagten Blick.
Der Blick spricht Bibliotheken.

Werte Hyänen! Gönnet dem Kind
Die flüchtigen Jahre. Vergänglich sind
Schönheit und Jugend. Und, wie ihr wißt,
Schwindet die karg bemessene Frist.
Achtzehn und dreißig.
Am Schluß, mit Verlaub,
Bleibt von uns allen
Ein Döschen voll Staub.

Auch ohne den Dolchblick
Und ohne das Gift,
Wenn eine Hyäne die andere trifft.

(Mascha Kaléko)

 


 

(„Damen unter sich“: aus dem Band „Die paar leuchtenden Jahre“
© 2003 Deutscher Taschenbuch Verlag, München)

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